Ma Long, der einsame Sieger

Die German Open sind vorüber, und Ma Long hat seine beeindruckende Siegesserie fortgesetzt. Der 27 Jahre alte Chinese, der seit seinem Triumph bei der WM vor neun Monaten den Rest der Welt nach Belieben beherrscht, gewann das Turnier in einer Art und Weise, die selbst Fachleute nur noch ungläubig staunen lässt. Im gesamten Turnierverlauf gab Ma Long nur einen Satz ab, düpierte im Halbfinale seinen chinesischen Landsmann, Olympiasieger Zhang Jike, überdeutlich mit 4:0 (7,4,7,7), und ließ auch dem bis dahin überragenden Vladimir Samsonov im Endspiel nicht die Spur einer Chance. Sein 4:1 (7,6,4,-10,5) in diesem Finale war eine eindrucksvolle Machtdemonstration und verdeutlichte, dass Ma der Konkurrenz mittlerweile so weit enteilt ist wie schon lange kein Spieler der gesamten Konkurrenz.

Dabei spielte der routinierte Samsonov auch in dieser Partie gut, war der Dynamik und Präzision, mit der Ma Long agiert, aber in keiner Phase gewachsen. Lediglich im vierten Durchgang konnte der 39-Jährige nach hohem Rückstand und Abwehr zweier Matchbälle kurz von der Sensation träumen: Da setzte Samsonov den Chinesen mit einigen guten Rückhandtopspins erfolgreich unter Druck, und für kurze Zeit wirkte der Favorit verunsichert. Doch im fünften Satz rückte Ma Long die Machtverhältnisse wieder zurecht, drängte Samsonov mit mächtigen Topspins vom Tisch und überrollte ihn wie alle anderen Gegner zuvor.

Immerhin hatte der Weißrusse zuvor Timo Boll mit 4:0 und im Halbfinale Chuan Chih-Yuan mit 4:1 ausgeschaltet – jenen Mann, der zuvor Dimitrij Ovtcharov gestoppt hatte. Gegen den stark spielenden Taiwanesen wirkte DONIC-Star Dima im Viertelfinale ein wenig müde, zog aber aus seiner 1:4-Niederlage noch Positives: „Wir sind im Januar, und das kann absolut passieren. Es ist noch Zeit, an der Form zu arbeiten.“ Ovtcharov merkte selbstkritisch an, er habe sich zu schlecht bewegt und sei Chuang im Aufschlag-Rückschlag-Spiel deutlich unterlegen gewesen. Nun wisse er immerhin, wo seine Defizite derzeit liegen. „Jetzt gilt es, zu arbeiten und sich zu verbessern“, erklärte der Europameister.

Gegen einen Chuang Chih-Yuan in dieser Form zu verlieren, ist gewiss kein Beinbruch. „Ich bin aktuell in einer Aufbauphase, daher wirft mich die Niederlage nicht groß zurück“, versicherte Ovtcharov. Wer weiß, wie akribisch und gewissenhaft der 27-Jährige arbeitet, der weiß auch: Er wird die richtigen Schüsse daraus ziehen und gestärkt zurückkehren.

Ein Gutes hatte Ovtcharovs Viertelfinal-Niederlage immerhin. Diesmal blieb ihm eine erneute Begegnung mit Ma Long erspart. So wie der Mann aus China derzeit spielt, wird es allmählich einsam um den Weltranglisten-Ersten.

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