Ovtcharov: Ich will aufs Treppchen!


Nur noch wenige Tage bis zum Beginn des World Cups, der vom 1. bis 3. Oktober in der Saarbrücker Saarlandhalle stattfindet. Nur gut sechs Wochen nach den Olympischen Spielen und zwei Wochen vor Auftakt der Europameisterschaften liegt der World Cup damit in einer Phase, in der viele Stars sich nach einer Pause sehnen. So Olympiasieger Ma Long und der Japaner Jun Mizutani, der Bronzemedaillengewinner der Spiele in Rio: Beide sagten ihren Start beim World Cup ab. Der nimmersatte
Dimitrij Ovtcharov hingegen brennt auf eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte, die er 2013 und 2015 jeweils mit dritten Plätzen bei diesem Traditionsreichen Turnier geschrieben hat.

Kurioserweise wird die Aufgabe für DONIC-Star Dima nach Mizutanis Absage nicht leichter. Denn der Ersatzmann für den Japaner ist noch deutlich stärker einzuschätzen: Fan Zhendong, Nummer zwei der Welt, unterstrich vor wenigen Tagen mit einem furiosen 4:0-Sieg im Finale der China Open gegen Ma Long seinen Anspruch auf baldige Machtübernahme. Zudem startet mit dem Weltranglistendritten Xu Xin noch ein weiterer chinesischer Superstar, so dass für Ovtcharov schon ein erneuter Sprung aufs Treppchen ein großer Erfolg wäre. Schließlich wird Rang drei auch noch ausgespielt.

Vor dem Event in Saarbrücken, bei dem die deutsche Traditionsmarke DONIC unter anderem Tisch- und Netzausrüster ist, haben wir den Europameister zum Interview gebeten.

In den letzten Jahren war der World Cup ein gutes Turnier für dich. Was ist diesmal deine Zielsetzung? Nach 2013 und 2015 wieder auf´s Treppchen?

Stimmt, ich hatte beim World Cup schon gute Ergebnisse. 2013 der dritte Platz, da habe ich im Halbfinale 3:2 und im sechsten Satz mit 6:4 gegen Xu Xin geführt. Da hatte ich echt eine reelle Chance, das Turnier zu gewinnen: Im Finale hat Vladi gewartet, gegen den ich zwei Wochen zuvor im EM-Finale 4:0 gewonnen hatte.

2015 war auch ein tolles Turnier, mit der Bronzemedaille nach dem Sieg über Jun Mizutani im Spiel um Platz drei. Aber ich mache mir überhaupt keinen Stress für dieses Turnier, es kommt wie es kommt. Ich werde mit Spaß spielen und mein Bestes geben. Aber natürlich ist mein Ziel, auf dem Treppchen zu stehen!

Viele Athleten fallen nach den Olympischen Spielen in ein Loch – vor allem, wenn sie dort sehr erfolgreich waren. Wie geht’s dir da? Kannst du die Spannung noch hochhalten, zumal ja durch die Geburt deiner Tochter in deinem Leben gerade noch ganz andere Dinge in den Fokus gerückt sind?

Klar liegt der Haupt-Fokus auf den Olympischen Spielen, und dadurch fallen absolute Top-Turniere, wie der World Cup und die EM, gefühlt einen Tick hinten runter. Aber ich kann das von mir selbst sagen, weil ich 2012 diese Turniere nicht so gut gespielt habe: Man bereut es nachher! Und wenn dann ein Jahr später überhaupt keine großen Turniere anstehen – ich meine kontinental gesehen –, dann ärgert einen das. Deswegen probiere ich die Spannung so hoch wie möglich zu halten und alles zu geben, beim World Cup und der EM, die zwei Wochen später kommt. Das sind nach den Olympischen Spielen und der WM die größten Turniere, die wir in unserem Sport haben. Die haben es verdient, dass sich die Athleten dort zerreißen und an ihr Limit gehen. Das werden sicherlich auch alle tun, die nicht in ein Loch fallen.

Wie sah dein Trainingsprogramm seit Rio aus? Vermutlich hast du ein bisschen pausiert? Und wie ist deine Form?

Ich hab’ nach den Olympischen Spielen gute zehn Tage pausiert. Danach habe ich ganz langsam mit dem Training begonnen: so einmal täglich, für weitere zehn Tage. Und mittlerweile habe ich aktuell so ein 2:1-2:1-Programm. Ich will auch frisch in die Turniere gehen. Da kommt ja jetzt im Oktober, November und Dezember zweieinhalb Monate lang eine riesige Wettkampfphase: mit World Cup, EM, Grand Finals, Swedish Open, Champions League, russischer Liga und so weiter. Viel trainiert habe ich im Sommer. Das Gefühl ist gut, und wenn die Fitness stimmt und der Körper mitmacht, wovon ich ausgehe, dann gehe ich optimistisch in diese Phase.

Durch Mizutanis Absage ist Fan Zhendong ins Feld gerückt. Nun starten also doch zwei Chinesen und nicht nur Xu Xin. Das macht die Sache schwerer – oder? Und wie schätzt du Fan Zhendong derzeit ein?

Vielleicht ist es durch Juns Absage etwas schwerer geworden, noch weiter oben aufs Podest zu kommen, weil die Chinesen vielleicht noch ein etwas höheres Niveau haben. Aber das berührt mich am Ende nicht. Ich probiere, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Wenn ich gutes Tischtennis spiele, dann kann ich den Sprung aufs Treppchen schaffen.

Fan Zhendong schätze ich immer saustark ein. Er ist die Nummer zwei der Welt und spielt klar die besten Ergebnisse nach Ma Long. Wenn’s Ma Long nicht geben würde, wäre er klar die Nummer eins. Jetzt bei dem Sieg bei den China Open hat man gemerkt, dass er sehr motiviert ist.

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