„Ich kann’s kaum glauben”

 

Aufs Treppchen hatte Dimitrij Ovtcharov gewollt, und das ist beim World Cup wahrlich schon schwer genug. Von einem Sieg hätte der 29-Jährige kaum je zu träumen gewagt. Und dann das: Durch Siege über Kou Lei (Ukraine), Alexander Shibaev (Russland), Simon Gauzy (Frankreich) und Timo Boll gelang DONIC-Star Dima einer der größten Triumphe seiner Karriere, ja vielleicht sogar sein größter Erfolg überhaupt. Als vierter DONIC-Spieler nach den drei legendären Schweden Mikael Appelgren (1983), Jan-Ove Waldner (1990) und Jörgen Persson (1991) trug sich Ovtcharov in die Siegerliste dieses traditionsreichen Turniers ein. Wie hoch dieser Erfolg für einen Europäer einzuordnen ist, zeigt ein Blick in die Statistik: Bei den letzten elf Austragungen zuvor hatte zehn Mal ein Chinese den Titel gewonnen. Fünf Mal waren die Chinesen dabei im Endspiel unter sich gewesen, und der letzte europäische Erfolg datierte von 2009. Selbst die Legenden Waldner, Appelgren und Persson hatten in ihrer glanzvollen Karriere den World Cup nur je einmal gewonnen.

 

„Es fühlt sich zwei Tage später immer noch surreal und unglaublich an”, verkündete der Gewinner mit etwas Abstand strahlend. „Ich gehöre immer so ein bisschen zum Favoritenkreis, bin immer ganz gut gesetzt, aber mitzuerleben, dass Ma Long einem vor der Siegerehrung zum Sieg gratuliert, neben so Legenden wie Timo und Ma Long ganz oben zu stehen, das ist schon ganz speziell. Ich bin total glücklich und stolz und kann’s immer noch kaum fassen.”

 

Mit seiner herausragenden Leistung und seinem unbändigen Kampfgeist hat sich Dima diesen Erfolg verdient. Gegen Kou Lei (Ukraine) gewann er zum Auftakt noch souverän, doch schon im Viertelfinale gegen den Russen Aleksander Shibaev begann für die deutschen Fans das große Zittern. Mit 0:2 lag Dima zurück und musste im dritten Durchgang bei 8:10 zwei Satzbälle abwehren. „Ich bin zwar ein großer Kämpfer, aber bei 0:3 wäre es natürlich schwer geworden”, räumte er später ein. Doch DONIC-Star Dima gewann die Partie, wie schon so viele in den Jahren zuvor, in bester Ovtcharov-Manier: In höchst bedrohlicher Lage, mit dem Rücken zur Wand stehend, spielte er sein bestes Tischtennis.

 

Und so ging es auch für ihn weiter. 2:3 im Halbfinale gegen Simon Gauzy, dem Ovtcharov attestiert: „Er ist echt sehr gut geworden.” Mit größtem Respekt war Dima in diese Partie gegangen – und, wie er zugab, auch mit erhöhtem Adrenalinpegel. Denn Minuten zuvor war im anderen Halbfinale Timo Boll die Sensation gelungen, Weltmeister Ma Long auszuschalten. Und natürlich beschäftigte Dima nun die Frage: „Ist tatsächlich jetzt noch mehr drin? Aber ich hab’ versucht, das so gut wie möglich auszublenden.”

 

Das gelang ihm gerade gut genug. Mit 11:8 im Entscheidungssatz hielt er den Franzosen in Schach und machte damit perfekt, was es in der 37-jährigen Geschichte des World Cups noch nie gegeben hatte: ein deutsches Finale. Auch in diesem lag der DONIC-Star zurück, nach verlorenem ersten Satz mit 6:8 im zweiten Durchgang. Boll befand später, für ihn „wäre es wichtig gewesen, mit 2:0 in Führung zu gehen, was ja durchaus möglich war. Ich denke, dann kommt Dima nicht zurück ins Spiel.” Darüber lässt sich nur spekulieren, denn kaum ein Akteur weltweit hat schon so oft eindrucksvoll die Fähigkeit bewiesen, immer wieder ins Spiel zurückzukommen, wie aussichtslos die Lage auch scheinen mag. Fakt ist jedenfalls, dass Ovtcharov sich besser bewegte, druckvoller agierte und, wie er selbst befand, am Ende nicht nur einen Tick frischer, sondern auch einen Tick heißer war.

 

Für Timo Boll war Lüttich der Schauplatz seines vielleicht größten Erfolges: 2005 hatte er hier den World Cup gewonnen, nach Siegen über gleich drei Chinesen. Für Dimitrij Ovtcharov war dies jedoch auch ein besonderes Pflaster, denn beim World Cup 2017 in Lüttich wurde auf Tischen seines Ausrüster DONIC gespielt: DONIC World Champion TC.

 

„Auf den DONIC-Tischen war ich ja schon 2013 nahe dran”, sagt er im Rückblick auf den World Cup vor vier Jahren, bei dem er im Halbfinale nur knapp gegen den späteren Sieger Xu Xin verloren hatte. „Und ich habe auch die Europameisterschaften 2013 auf DONIC-Tischen gewonnen. Einen DONIC-Tisch habe ich zuhause stehen, bei meinen Eltern zuhause steht der Tisch. Das ist natürlich, als wenn man auf seinem Esszimmer-Tisch isst”, erklärt Dima und räumt ein: „Das ist auf jeden Fall ein Vorteil für mich gewesen, da ich die meiste Zeit auf DONIC-Tischen trainiere und diese Tische auch sehr, sehr gut finde.”

 

Diese Chance hat DONIC-Star Dimitrij Ovtcharov eindrucksvoll genutzt und mit dem Gewinn des World Cups ein Stück Tischtennis-Geschichte geschrieben. Wir von DONIC sind stolz, Dima auf seinem Weg zu begleiten und gratulieren herzlich.

 

 

Finale

 

Dimitrij Ovtcharov – Timo Boll GER 4:2 (-10,8,7,-9,7,2)

 

Halbfinale

 

Dimitrij Ovtcharov – Simon Gauzy FRA 4:3 (-6,2,8,-10,-7,4,8)

 

Viertelfinale

 

Dimitrij Ovtcharov – Aleksander Shibaev RUS 4:3 (-9,-8,10,9,7,-10,7)

 

Achtelfinale

 

Dimitrij Ovtcharov – Kou Lei UKR 4:1 (4,5,11,-10,6)

 

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